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Assista bittet zum Interview

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Interview mit Adi und Gundula Berger - geführt von Eveline Doll
Interview Adi und Gundula Berger in Altenhof am 4.August 2025
Herr Berger, Sie und ihre Gattin waren eng eingebunden in die Anfänge von Assista in Altenhof – wie kann man sich das damals vorstellen?
Pater Gots, der Gründer, ist 1975 zum damaligen Landeshauptmann Ratzenböck gegangen und hat um Erweiterung von Pfaffing angesucht. Der LH hat dann den Hofrat Steininger an die Seite von Pater Gotsch gestellt und gesagt: machts was G´scheits!. Dann wurde in ganz Oberösterreich nach passenden Gründen gesucht. 34 Gemeinden haben sich gemeldet.
Das Ehepaar Hillinger hat Möglichkeiten gesucht, seine Gründe zu veräußern. Sie hatten keine Kinder und als die Gemeinde Gründe für das Dorf gesucht hat, hat das Ehepaar Hillinger den Zuschlag erhalten. Ausschlaggebend war die Lage, dass man so schön ins Land hinausgesehen hat.
Wir sind dann nach Holland gefahren, um uns Ideen zu holen, weil es ja in Österreich keine Bauordnung für Behindertenwohnungen gegeben hat. Wir haben vier Einrichtungen besucht. Der Hofrat ist mit dem Meterstab herum gegangen, um die richtigen Abmessungen und Türbreiten zu messen. Dann ist die Planung sehr schnell los gegangen.
Wie hat die Bevölkerung in Altenhof auf die Pläne reagiert?
Es gab eine Befragung und die Altenhofer waren mehrheitlich dafür. Damals war gerade das Ende des Bergbaus in der Kohlgrube und die Leute sahen die Möglichkeit für neue Arbeitsplätze. Die Leute sind jeden Morgen mit 6,7 Bussen in andere Gemeinden gefahren worden, in Altenhof gab es nichts. Wir bekamen damit gute Arbeitsplätze in der Nähe, auch die Frauen.
Und dann ging schon bald der Bau los und 1978 wurde eröffnet.
Wir haben für die Spatenstichfeier 1976 zwölf Fahnenmasten bei der Messe in Ried ausgeborgt, damit wir eine repräsentative Eröffnung haben. Es war ja viel Prominenz angesagt, vom Bundespräsidenten bis zum Landeshauptmann abwärts. Anton Hillinger und ich haben uns ein Spezialfahrzeug ausgeborgt und die Masten geholt und hier aufgestellt. Nach der Eröffnung haben wir sie wieder abgebaut und zurückgebracht.
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Als die ersten BewohnerInnen nach Altenhof kamen – wie war das?
Es musste sich am Anfang schon einspielen, dass es ein gutes, selbstverständliches Miteinander gab. Es war für beide Seiten eine Herausforderung. Einzelne BewohnerInnen dachten, sie wären privat untergebracht und läutetet an den Häusern. Sie mussten sich auch erst an diese neuen Freiheiten und die Selbstbestimmung gewöhnen. Da ergaben sich aber auch Freundschaften – uns hat Walter Fischer regelmäßig besucht. Es war ja damals nicht so wie heute, dass Menschen mit Behinderung zum Straßenbild gehörten.
Wie ging es dann weiter, wie hat sich alles eingespielt?
Wir haben dann 1981 unser Geschäft im Ort barrierefrei umgebaut, damit die Leute vom Dorf bei uns besser einkaufen und am Gemeindeleben teilhaben konnten.
Die rechtliche Situation auf der Straße war auch unsicher. Das Land hat gesagt, es muss ein Gehsteig her, damit die Leute mit den Rollis sicher fahren konnten. Der hätte aber eine Sonderbreite haben müssen, damit zwei Rollis aneinander vorbeifahren können. Also hat man die Straße belassen, aber die Polizei hat gesagt, sie müssen ein 10-km/h Schild tragen und eine Prüfung machen. (lacht)
Der Gehsteig wurde erst später gebaut.
Herr und Frau Berger, wenn Sie jetzt von Ihrem Haus aus ins Dorf hinauf schauen, nach all den Jahren – was geht Ihnen da durch den Kopf?
Adi Berger: Dass ich für Altenhof Arbeitsplätze gebracht habe und beim Bau mitgeholfen habe. Ich denke gerne an die Zeit zurück. Ich war 31 Jahre im Vereinsvorstand tätig. Ich bin schon stolz auf den Beitrag, den ich geleistet habe.
Frau Berger: Das war unser Leben. Wir haben immer geschaut, dass sie dazu gehören, wie Freunde. Ich bin in Peuerbach geboren und von daher hatte ich nie Berührungsängste mit Menschen mit Behinderung. Ich habe auch im Geschäft immer geschaut, dass sie mit den Altenhofern in Kontakt kommen und sie ermutigt, miteinander zu reden.
Adi Berger: Manche Gemeindebürger haben aus Mitleid geweint, als sie die Menschen in den Rollstühlen mit den teilweise schweren Behinderungen gesehen haben. Sie waren schlichtweg überfordert. Heute ist das Gottseidank anders.
Fotos von Handschriften, ersten Dokumenten und von den beiden sind vorhanden
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Anton Riedel und Josef Hellmann
